Kann man den offiziellen Stellen vertrauen? Folgenreiche Impfung gegen Schweinegrippe

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Ende April 2009 warnte die WHO vor einer weltweiten Verbreitung = Pandemie der Schweinegrippe (H1N1). Anfang Juni 2009 wurde die Warnung auf die höchste Alarmstufe 6 hochgestuft. Die WHO verkündete jedoch bereits Mitte Mai, dass die Kriterien angesichts der geringen Pathogenität des H1N1-Virus überarbeitet werden sollten.

Dennoch wurde ein unfertiger Impfstoff entwickelt und im westeuropäischen Raum Massenimpfungen an einigen Millionen Menschen vorgenommen.

Damit eine Impfung sicher gegen ein Virus zu wirken vermag, müssen insbesondere dessen Oberflächenproteine bekannt sein. Die Herstellung und Zulassung eines an das veränderte Virus angepassten Impfstoffes kann  also erst nach Beginn der verstärkten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen beginnen.

Obwohl ein verlässlicher Impfstoff gegen den Erreger einer Pandemie also erst hergestellt werden kann, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist, entwickeln seit ca. 2007/2008 diverse Forschergruppen anhand der bereits bekannten Varianten des H1N1-Erregers als Zwischenlösung so genannte Modell-Impfstoffe (auch Mock-up-File genannt).

Man hoffte, dass auch ein unvollkommener Impfstoff eine gewisse immunologische Wirkung zeigen könnte und so genannte Kreuzreaktionen gegen die dann aktuelle H1N1-Variante (Schweinegrippe) auslösen könnte.

Auf Basis eines völlig unfertigen Impfstoffs im Versuchsstadium wurde im Februar 2006 nach einer Konferenz der deutschen Gesundheitsminister von diesen bekannt gegeben, dass mit der deutschen Arzneimittelindustrie Absprachen über die rasche Herstellung von 160 Millionen Impfstoff-Einheiten getroffen wurden, d. h. über zwei Einheiten pro Bundesbürger, falls es zu einer Pandemie kommen sollte. Aufgrund dieser Absprachen erfolgte 2009 die rasche Produktion eines Impfstoffs gegen die so genannte Schweinegrippe.

Was waren die Folgen?

Nach den Massenimpfungen von 2009 in Schweden und Finnland gegen die Virus-Pandemie leiden heute hunderte Kinder an der „Schlafkrankheit“. Narkolepsie löst Müdigkeitsanfälle aus, egal, wie viel man geschlafen hat.

„Ich vertraute ihnen. Eine Spritze – und danach war mein ganzes Leben verändert.“ So wie die 19-jährige Daniela Dahl müssen jetzt, zwei Jahre nach Beginn der Schweinegrippe-Pandemie von 2009 und 2010, hunderte junge Skandinavier erkennen, dass die Impfung, die sie einst vor der Krankheit schützen sollte, sie stattdessen unheilbar krank gemacht hat. Dass zwischen dem Impfstoff „Pandemrix“ und „Narkolepsie“, einer neurologischen Störung, auch „Schlafkrankheit“ genannt, ein direkter Zusammenhang besteht, sieht die finnische Gesundheitsbehörde als erwiesen an; jene in Schweden zögert noch und verweist auf eine laufende Studie.

Impfschutz nicht nachweisbar

Doch die Zahlen sprechen für sich: In Finnland wurde ein mehr als zwölfmal höheres Narkolepsierisiko bei mit Pandemrix geimpften Kindern festgestellt, hier erkrankten daran 121 Personen. 168 Narkolepsie-Fälle gab es in Schweden. Beide Länder waren so ziemlich die einzigen, in denen man auf Massenimpfungen gesetzt hatte: 60 Prozent der Schweden und 50 Prozent der Finnen erhielten Pandemrix. Nur ein Narkolepsiefall war es hingegen in Dänemark, wo man sich auf die Impfung von Risikogruppen beschränkt hatte. Einen besseren Schutz gegen das Schweinegrippevirus brachten die Massenimpfungen indes nicht: In Schweden wurden 60 Prozent der Bevölkerung geimpft, in Deutschland nur acht Prozent (hier gab es etwa 30 Narkolepsiefälle). Doch in beiden Ländern war die Sterberate durch das Virus gleich hoch: jeweils 3,1 Tote pro Million Einwohner – in Schweden waren das 29. Zum Vergleich: An „normaler“ Grippe sterben jährlich etwa 3000 Schweden.

„Ich warnte im Juni 2009 vor dem teuren und unsicheren Projekt“, sagt Staffan Sylven, Spezialarzt für Infektionsschutz, „doch der Beschluss für Massenimpfungen war politisch getroffen.“ Den Preis dafür zahlen jetzt Kinder wie die fünfjährige Tindra, die sagt, sie wolle „dass alles wieder wie früher“ sei, „dass mein Gehirn wieder gut wird oder dass ich ein neues bekomme“. Oder wie Nemo (9): „Man darf nicht zu viel lachen. Sonst fällt man zusammen.“

Junge Leben in Trümmern

„Ich werde mich nie wieder frisch fühlen“, sagt Ludvig (14). „Ich hatte nicht mal Kraft, die Weihnachtsgeschenke zu öffnen“, erzählt der 13-jährige Manfred. „Ehe ich krank wurde, freute ich mich aufs Erwachsenwerden“, sagt die 17-jährige Elin. „Ich werde alles an meine Krankheit anpassen müssen“, hat Filip (15) erkannt.

Narkolepsie löst Müdigkeitsanfälle aus, egal, wie viel man davor geschlafen hat. Der Schlaf kommt jäh, mitten in der Schulstunde, beim Fernsehen, im Schwimmbad, beim Radfahren, er dauert einige Sekunden bis zu einer halben Stunde. Unmittelbarer Auslöser ist oft emotionelle Erregung, etwa Lachen oder Zorn. Dann versagen die Muskeln und der Kranke bricht zusammen, weshalb viele Psychopharmaka nehmen müssen, um ihre Gefühle zu dämpfen.

Der mutmaßliche Konnex zwischen Pandemrix und Narkolepsie sei „völlig unerwartet“ gewesen, sagt Anders Tegnell von Schwedens Sozialbehörde, Verantwortlicher für die Durchführung der Massenimpfung. Zudem seien fast nur Personen im Alter von vier bis 19 betroffen. „Alle Arzneimittel haben Nebenwirkungen“, sagt Tegnell, und bei der Schweinegrippe hätten sie nur wenige getroffen. Es gebe also keinen Grund zu Angst, es wäre eine „Katastrophe“, wenn nun eine generelle Skepsis gegenüber Impfungen ausbräche.

 „Medizinische Tragödie“

Inger Atterstam, Wissenschaftsjournalistin der Zeitung „Svenska Dagbladet“, die den Zusammenhang aufgedeckt hat, spricht hingegen von einer „medizinischen Tragödie“, aus der die Verantwortlichen keine Lehren ziehen wollten. Daher würden die Opfer im Stich gelassen, eine zugesagte Entschädigung von umgerechnet 6000 Euro sei nichts angesichts lebenslanger Behinderung. „Der Staat müsse die Verantwortung übernehmen“, fordert der Verband der Narkolepsieopfer.

In Dänemark wurden nur erwähnte Risikogruppen geimpft, rund sechs Prozent der Bürger. Man sei eben vorsichtig angesichts des neuen Impfstoffs gewesen, sagt die Amtsärztin Thea Fischer. 33 Menschen starben an der Grippe, also 5,9 pro Million Einwohner.

Nichtimpfen war gesünder

In Polen beschloss die damalige Gesundheitsministerin Ewa Kopacz, selbst Ärztin, auf Impfungen gänzlich zu verzichten. Folge: An der Schweingrippe starben 4,7 Menschen pro Million Einwohner (absolut 181), im durchgeimpften Finnland aber 8,1 pro Million (56). In Österreich wurden drei Prozent der Menschen geimpft, es gab 40 Tote, die Todesrate war gleich hoch wie die in Polen. Über Narkolepsiefälle gibt es keine Angaben.

http://diepresse.com/home/panorama/welt/734690/Folgenreiche-Impfung-gegen-Schweinegrippe

 

 

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